“Wir müssen weicher werden!”

24 08 2011

Ich hatte ja neulich wieder was geschrieben: einen Artikel, der im aktuellen Dossier der Heinrich-Böll-Stiftung erschienen ist. Hier ist er auf deutsch: klick! Und hier auf englisch: klick, wobei mir der englische Titel nicht sehr behagt, obwohl die Anregung der deutschen Überschrift vom englischen Ausdruck ‘soft power’ kam. Mildly weird.

Tom Koenigs ist übrigens seit zwei Jahren mein Chef, ich unterstütze ihn in seinen Funktionen als Mitglied des Bundestags, Vorsitzenden des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe und ordentliches Mitglied des Verteidigungsausschusses. Dieser Vollzeitjob erklärt auch die Stille auf diesem Blog.





erschienen: Interventionskultur. Zur Soziologie von Interventionsgesellschaften

12 02 2010

Welcher Autor verpasst, dass sein Buch erschienen ist? Ich. Etwas peinlich, aber nun ja; der Sammelband “Interventionskultur. Zur Soziologie von Intervenitonsgesellschaften” ist jedenfalls seit einigen Wochen überall zu kaufen, zum Beispiel hier bei Amazon.

Noch einmal schnell der Klappentext:

Sicherheit, Demokratie, Wiederaufbau, Rechtstaat – all das erhoffen sich Menschen von Interventionen. Seit dem Kalten Krieg kommen humanitäre Interventionen häufig vor. Sie verändern die gesellschaftlichen Entwicklungen in den Zielländern erheblich, doch oft können die Politik und Militärstrategie diese sozialen Verschiebungen nur schwer begreifen. Dann wird es aber schwieriger, friedensschaffende und stabilisierende Maßnahmen umzusetzen. Die Soziologie dieser Gesellschaften konzentriert sich auf die Beziehungen zwischen den Intervenierenden und denen, die von den Interventionen betroffen sind, den “Intervenierten”. Im Zentrum der Überlegungen stehen vor allem die neue Kultur und die Interaktionsformen, die sich zwischen beiden Gruppen entwickeln, sowie die gesellschaftliche Dynamik, die von der Intervention und dem anschließenden Wiederaufbau ausgelöst wird. Auch werden die Rückwirkungen der Intervention auf die Intervenierenden, d.h. vor allem auf die westlichen Gesellschaften, untersucht.

Mehr als 200 Seiten eng bedrucktes Papier. Ein nächstes Buchprojekt ist schon umrissen, aber das Ergebnis wird es höchstens nächstes Jahr geben. Und zwar auch aus dem Grund, weswegen auf dieser Seite hier so wenig passiert: Mein neuer Job nimmt jeden Moment in Anspruch, in dem ich nicht schlafe.





Interventionskultur – Die Texte sind im Satz

4 10 2009

Der Cheflektor des VS Verlags für Sozialwissenschaften hat mir kürzlich den ersten Probesatz des Sammelbands Interventionskultur geschickt. Es gibt noch ein paar Kleinigkeiten zu tun, aber das Teil nimmt definitiv Form an.

Zur Einstimmung und zum Beweis hier die Einleitung, von Prof. Michael Daxner und mir geschrieben.

Ja, ich weiß, die Formatierung ist nicht ganz optimal für das Seitendesign hier. Wenn ich genug Beschwerden erhalte, erstelle ich noch eine Extraversion nur für den Blog. Versprochen.





Interventionskultur – Das Buch zum Schlagwort

8 09 2009

Die Beiträge sind korrigiert, lektoriert und, bis auf einen, auch schon autorisiert. Heute habe ich sie an den Verlag geschickt, sodass das Buch noch dieses Jahr fertig werden müsste. Gemeinsam mit Prof. Thorsten Bonacher, Prof. Michael Daxner und Prof. Christoph Zuercher gebe ich einen Sammelband heraus, dessen Texte  sich aus einer eher mikrosozialen Perspektive um die Erforschung von Interventionen kümmern.

Sicherheit, Demokratie, Wiederaufbau, Rechtstaat – all das erhoffen sich Menschen von Interventionen. Seit dem Kalten Krieg kommen humanitäre Interventionen häufig vor. Sie verändern die gesellschaftlichen Entwicklungen in den Zielländern erheblich, doch oft können die Politik
und Militärstrategie diese sozialen Verschiebungen nur schwer begreifen. Dann wird es aber schwieriger, friedensschaffende und stabilisierende Maßnahmen umzusetzen. Die Soziologie dieser Gesellschaften konzentriert sich auf die Beziehungen zwischen den Intervenierenden und
denen, die von den Interventionen betroffen sind, den „Intervenierten“.
Im Zentrum der Überlegungen stehen vor allem die neue Kultur und die Interaktionsformen, die sich zwischen beiden Gruppen entwickeln, sowie die gesellschaftliche Dynamik, die von der Intervention und dem anschließenden Wiederaufbau ausgelöst wird. Auch werden die Rückwirkungen der Intervention auf die Intervenierenden, d. h. vor allem auf die westlichen Gesellschaften, untersucht.

Und hier der Link zur kompletten Voransicht:

Interventionskultur (Umschlag, pdf)

Das Buch wird im VS Verlag für Sozialwissenschaften erscheinen. Im Moment steuern wir einen Veröffentlichungstermin im Herbst an, voraussichtlich im November. Bei Amazon kann das Buch vorbestellt werden.

So, jetzt muss ich nur noch die Einleitung schreiben.





Games Convention Online Leipzig

31 07 2009

Auf der GCO in Leipzig ist gewiss einiges los, aber wenn man die Messe dieses Jahr auf einen Unterbereich einer Branche ausrichtet, die nur ein Zehntel so viel Geld umsetzt wie die ganze Computerspielbranche, dann darf sich auch niemand wundern, wenn auch nur ein Zehntel der Aussteller kommt. Enttäuschend ist aber, dass die Spiele mir sehr bekannt vorkommen.

Es klang vielversprechend: Machen wir doch eine Messe, auf der nur Online-Spiele präsentiert werden (und Casual-Games, aber die habe ich noch nicht gefunden). Da schwingt Innovationsfreude mit. Was neues. Ja, in den Weiten des Internet ergeben sich bestimmt viele Spielideen, auf die zuvor keiner gekommen ist. Weil wegen Internet halt. Selbst ich glaube manchmal naiv an die inhärente Innovationskraft von Technik. Aber nichts dergleichen. Sword&Sorcery, GTA, Mittelalter-Echtzeit-Aufbauspiele. 

Alles schon tausendmal gesehen. Und das, obwohl ich in den letzten Jahren nicht mehr auf Spiele geachtet habe.

Okay, zurück ins Durchgegähnte.





Noam Chomsky: Empörung als öffentliche Aufgabe

5 06 2009

For a little bit more than a month I was on the road and when I notice a package of considerable size I most certainly hadn’t put infront of my door before I left. As it turned out it contained ten copies of Fliegende Fische. Eine Soziologie des Intellektuellen in 20 Porträts, a book about two handfuls of folks who are generally believed to be intellectuals. I contributed a chapter about the US-american linguist Noam Chomsky who is, I guess, quite famous — and in case you don’t know him, that’s what’s google for.

Since I’m not a big fan of him, don’t expect a hymn of praise, but I managed to control my polemic side too. It’s a slightly scientific book after all. So I focused on how Chomsky comments on the world and not the content of his interventions and essays. Basically I arrived at the conclusion that Chomsky is a modernist through and through and that’s why he’s so successful: He provides the reader with a clear account of what’s good and who’s the bad. That he can’t really explain why someone or something is bad is beside the point, because Chomsky doesn’t want to prove something. For him, everything in the world of politics is evident, and everyone who has a little bit of morality left in her or his mind should be able to agree to his neverending procession of truisms.

Here’s a excerpt:

Selbst manche sonst unerschütterliche Zyniker fasziniert Chomskys ungebrochenes Vertrauen in die menschliche Vernunft, seine gewollt unkonstruktive, kompromisslose Kritik an den Machthabenden, seine Verweigerung jeder Versöhnung oder Unterordnung und seine nie wankende Überzeugung, die Wahrheit, die Tatsachen und die Mehrheit der Menschheit auf seiner Seite zu haben. Er will provozieren, polarisieren, aufrütteln und wirkt mitunter wie der letzte verbliebene Kampfhund der Aufklärung. Jedes Argument ist ihm recht, sofern es nur die Richtigen trifft, und es gilt immer die für seine Gegner nachteiligste Interpretation des Geschehens.

Beside my ramblings the book contains writings about Max Weber, T.W. Adorno, Satre, Michael Moore, Niklas Luhmann etc. Nearly 500 pages, published by the renowned Fischer Verlag, a follow-up is in the making according to one of the editors.

And I’ve got nine copies for sale here and I intent to sell for a hilariously cheap price.





Sozialsysteme und Internetsperren

16 05 2009

So here’s a long shot.

Russel Shorto schreibt in der New York Times, dass Europäer vielleicht einen Grund haben, Einwanderer abzulehnen. Schließlich haben europäische Staaten in der Regel ein gutes Sozialsystem, das auf der Annahme funktioniert, dass alle etwas für alle hergeben. Wenn nun Einwanderer hinzukommen, befürchten die Ansässigen, dass die Neuen das Sozialsystem ausnutzen, weil sie sich nicht zur Gemeinschaft der “Einer für alle, alle für einen” zugehörig fühlen:

A broad social-welfare system works if everyone assumes that everyone else is playing by the same rules. Newcomers, with different ways of life and expectations, threaten it. This is one reason the recent waves of non-Western immigration have caused so much disturbance. (source)

Und deswegen würden in den USA Einwanderer nicht derart abgelehnt wie in Europa, weil die USA kein sehr entwickeltes Sozialsystem haben.

So weit, so fragwürdig, aber immerhin stimmt, dass europäische Bevölkerungen häufig dem Gedanken nachhängen, dass ihre Nation mehr verbindet als nur Geographie, dass die Nation irgendwie halt auch Gemeinschaft ist. Und diese Gemeinschaften haben Institutionen ausgebildet, die von den Menschen zumeist monetäre Opfer verlangen, aber im Gegenzug erwartet “die Gemeinschaft”, dass man sich anständig verhält. Wieder Shorto:

One downside of a collectivist society, of which the Dutch themselves complain, is that people tend to become slaves to consensus and conformity. (source)

Das ist ja im Grunde nichts neues, dass Kontinentaleuropäischer lieber den Staat machen lassen als selbst aktiv zu werden, was auch in der Diskussion um die Sperrung von Internetseiten, die Kinderpornos anbieten, sehen kann. Mal abgesehen davon, dass Kinderpornos abscheulich sind, zeigt die Debatte, dass offenbar in Staaten mit ausgeprägtem Sozialsystemen Politiker eher auf die Idee kommen, dass es hilfreich ist, halbgare Sperrungen vorzunehmen — nach dem Motto, dass der Staat die Bürger zum richtigen Verhalten anleiten und notfalls zwingen soll.

Mir geht es hier nicht darum, ob diese Regulierung gut oder schlecht ist, sondern darum, ob die Variable “Sozialsystem” sich irgendwie operationalisieren lassen könnte und mit bestimmten Politikmustern korreliert. Das klingt zwar reichlich abseitig, aber auch interessant. Zumindest dürfte da eine nette Übung in empirischer Sozialforschung herauskommen.

Now flame me.